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Das Baunscheidtverfahren

Die Geschichte des Baunscheidtverfahrens

Nach Hippokrates gilt:
,,bei äußerlich angewendeten Reizmitteln richtet sich das Körperinnere nach dem Äußeren“. „Alle äußeren Absonderungen (...) sind ein Heilmittel gegen andere innere Krankheiten.“

Baunscheidt Ähnlich wie die Entdeckung des Cantharidenpflasters, bei dem es eine Heilung chronischer Erkrankung durch eine lokale Verbrennung gab, fand auch die Entdeckung des Baunscheidtprinzips statt. Der deutsche Feinmechaniker und Naturwissenschaftler Carl Baunscheidt (1809-1872) litt an Daumengelenksarthrose. Im Bereich der Daumensattelgelenke wurde er von mehreren Mücken gestochen. Es kam zu einer erheblichen Rötung mit Juckreiz. In der Folge waren die arthritischen Beschwerden dauerhaft beseitigt. Aus diesem Erlebnis heraus konstruierte Baunscheidt ein spezielles Nadelinstrument, den Lebenswecker und entwickelte eine hautreizende Ölmischung. Auf die gestichelten Hautbezirke wird die Ölmischung eingerieben, wodurch eine Hautreaktion entsteht.
Diese im Grunde simple Methode muss seinerzeit eine derartige Verbreitung gefunden haben, dass sie selbst von der Bonner Medizinischen Universitätsklinik nachdrücklich empfohlen wurde. Auch international war die Methode verbreitet und wurde in mehrere andere Sprachen übersetzt. Ursprünglich beschrieb Baunscheidt 56 verschiedene Indikationen. Dr. Abele bedauert, dass das Verfahren heute aus Bequemlichkeitsgründen oder Unkenntnis oft nur noch bei rheumatoiden Beschwerdebildern herangezogen wird.

Wirkweise

Baunscheidt Das Baunscheidtverfahren stellt eher ein flächenhaft wirkendes Reflexverfahren dar, dass zusätzliche hautausleitende Effekte verwendet, und eine Art Immunstimulation bewirkt. Die Anwendung findet an einer ,,Stellvertreterstelle“ statt, die in der Regel durch Hautreflexbeziehung mit einem inneren Organ in Wechselwirkung steht. Neben durchblutungs- und lymphanregenden Effekte wird die örtliche Entsäuerung / Entgiftung erhöht und der lokale pH-Wert reguliert. Die inneren Organe werden angeregt, wodurch eine allgemeine Kräftigung erreicht wird.

Erfolgreiche Indikationen des Baunscheidtverfahrens
(die „bestechenden“ Wirkungen)
• Reizung von Hautnerven, die mit inneren Organen wie Leber oder Nieren verbunden sind (Reflexzonen-Wirkung). Dies steigert Durchblutung und Stoffwechsel innerer Organe (was heilend wirkt).
• die winzigen, entzündeten Nadelpunkte wirken mehrere Tage auf erkrankte Organe. Dies hat tiefgreifend anregende, erfrischende Wirkungen auf den gesamten Körper.
• die Erzeugung heilender Hautausschläge ist mit die älteste medizinische Behandlung. Dies leitet schädliche, krankmachende Stoffe aus dem Körper heraus (Ausleitungs-Therapie).
• künstliche Hautentzündungen aktivieren das Abwehrsystem der genadelten Hautgebiete und im gesamten Körper.
• auch hormonbildende Organe werden angeregt, beispielsweise die Eierstöcke oder die Schilddrüse.
Krankheiten, bei denen Nadeln gut ist
• schmerzhafte Erkrankung von Knochen, Sehnen oder Gelenken (beispielsweise Arthrose, Arthritis, Gicht), Muskelverspannungen, Tennisellbogen, anhaltende Schulter-Arm-Schmerzen.
• Trigeminus-Neuralgie (heftige Gesichts-Schmerzen), Migräne.
• Erkältungsneigung (mehr als 4 Erkältungen pro Jahr).
• Reizmagen (Übelkeit, Völle), Verdauungsschwäche (Essen liegt „schwer“ im Magen, Aufstoßen, Blähungen), chronische Verstopfung (auch wechselnd mit Durchfall = Reizdarm).
• chronische Blasen-Entzündung (oft Harndrang, Schmerzen beim Urinieren, erfolglose Antibiotika-Behandlung).
• Regelprobleme (schmerzende, verstärkte, verlängerte Monatsblutung).
• chronischer Schwindel, Ohrensausen, Ohrgeräusche (Tinnitus)

Kontraindikationen

Aufgrund der aggressiven Wirkung gelten sämtliche allergische Erkrankungen, aber auch Autoaggressionskrankheiten und akute fiebrige Zustände als Kontraindikationen. Auch im Bereich entzündlicher Hautareale und von Muttermalen sollte keine Behandlung erfolgen. Keine Lokalbehandlung an überwärmten Hautpartien, in solchen Fällen stets nur zonenfern behandeln.

Durchführung der Baunscheidttherapie

Baunscheidt-Öl Es gibt nur noch crotonölfreie Baunscheidtöle im Handel.

Praktische Durchführung des Baunscheidtverfahrens
1. Schneppen:
Als Nachahmung künstlicher Mückenstiche entwickelte Baunscheidt einen Schnepper bzw. Lebenswecker. Es handelt sich dabei um einen Metallstift mit einer elastischen Spiralfeder, dessen Zurückziehen und plötzlich Loslassen eine Platte mit ca. 30 kleinen und sterilen Nadeln nach vorne schnellen lässt. Durch das Aufschnellen der Nadeln auf der Haut entsteht eine 1-2 mm tiefe Anritzung der oberflächlichen Hautschicht ähnlich wie beim Allergie-Test. Die Haut wird also um Unterschied zum blutigen Schröpfen nicht penetriert. Der Patient verspürt ein leichtes Pieken. Narbenbildung treten nicht auf, da die Stichelung der Haut nur bis zur Lederhaut erfolgt. Die Anwendung des Baunscheidt – Schneppers erfolgt großflächig z.B. rechts und links der Wirbelsäule, seltener am Brustkorb, an Armen, Gesäß und Unterschenkeln.
2. Einreiben mit dem Baunscheidtöl:
Nach Sticheln mit dem Lebenswecker ist die Haut aufnahmebereit und es erfolgt die Einreibung mit dem speziellen Baunscheidtöl. Die Haut sollte im Anschluss daran gerötet sein und es bilden sich im Bereich der Einstichstellen kleine Quaddeln. Der Patient empfindet eine angenehme Wärme und ein Kribbeln, mitunter ein leichtes Brennen.
3. Verbinden:
Anschließend erfolgt eine Abdeckung der behandelten Flächen mit einem sterilen Verband. Der Verband verbleibt in der Regel 5 Tage auf der Haut. Währendessen sollte sich der Patient im betroffenen Areal nicht waschen und sonst keine schwerwiegend körperlichen Anstrengungen unternehmen, um die Heilwirkung nicht zu gefährden.
4. Reaktionen:
Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfdruck oder ein Sonnenbrand sind mögliche reaktive Erscheinungen. Es sollten hirsekorngroße Hautreaktionen entstehen. Diese platzen auf und trocknen nach einigen Tagen ein. Bei starkem Juckreiz darf sich der Patient kratzen. Gefährliche Superinfektionen bzw. Narbenbildung sind nicht bekannt.

Eine Wiederholung der Behandlung an selber Stelle sollte erst nach vollständigem Abklingen der Hautreaktionen nach ca. 3 Wochen erfolgen, wenn überhaupt eine Wiederholung notwendig erscheint!


Bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie noch Fragen haben!

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